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1. Vom Beginn der Künzelsauer Ganerbenzeit um ca. 1100 bis zu ihrem Ende im Jahre 1802 Die zersplitterte Staatlichkeit Frankens im Mittelalter kennzeichnete auch unsere Region mit kleinen und kleinsten Herrschaftsgebieten. Ab 1500 gehörte sie zum Fränkischen Reichskreis bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation im Jahre 1806. Erstnennung von Künzelsau in einer Urkunde durch die Namensträger Helmerich u. Konrad von Cunzelshowe, die als Nachkömmlinge des ortsansässigen fränkischen Adelsgeschlechts, der Herren von Stein, gelten. Die Edelfreien von Stein benannten sich wahrscheinlich nach dem beim heutigen Scheurachshof aufragenden Kochersteinfelsen, wo sie sich auch zunächst  niederließen. Es ist davon auszugehen, dass sie die ersten bekannten Besitzer von Künzelsau waren. Wahrscheinlich hatten sie ihre Besitzungen als Lehen durch den fränkischen Königshof erhalten. Einer Erklärung zufolge könnte der Ortsname Künzelsau auf einen Abkömmling aus der Adelsfamilie von Stein, namens Kunzilo, zurückgehen. Dieser Kunzilo erbaute auf der nach ihm benannten  Aue des Kochers in unmittelbarer  Nähe der Mündung des durch Künzelsau fließenden Künsbachs eine Burg. Das Kloster Komburg erwarb Besitzanteile von Künzelsau. Nach dem heutigen Kenntnisstand wird angenommen, dass  Mechthild von Stein, eine der letzten Vertreterinnen des Geschlechts derer von Stein, den Großteil des Steinschen Besitzes durch Schenkung dem Kloster Komburg (in der Nähe des heutigen Schwäbisch Hall) vermachte, das damit Besitz und Rechte in Künzelsau erwarb. Die restlichen Steinschen Besitzungen gingen vermutlich an nahestehende Verwandte, wie die Herren von Künzelsau und Bartenau. Erste urkundliche Erwähnung des Adelsgeschlechts derer „von Stetten“, deren Nachfahren bis heute eine der besterhaltenen deutschen Stauferburgen oberhalb des Künzelsauer Ortsteils Kocherstetten bewohnen. Das Haus Stetten hat bedeutende Angehörige hervorgebracht und als einer der Künzelsauer Ganerben großen Einfluss auf die Entwicklung von Künzelsau genommen. Die beiden Herrschaftsfamilien von Bartenau und von Künzelsau  besaßen und bewohnten gemeinsam die auf dem heutigen Areal des „Schlosses Bartenau“ liegende Burg, was auch als Ausgangspunkt der Künzelsauer Ganerbenschaft angesehen werden kann: sie waren „Burgganerben“. Ganerben waren juristisch gesehen Mitglieder einer Erbengemeinschaft mit verbrieften Besitz- und Rechtsverhältnissen. Künzelsau war mehr als 500 Jahre lang bis 1802 im zeitgleichen Besitz mehrerer Herrschaften, den Ganerben. „Gan“ im althochdeutschen bedeutet: gemeinsam. Das Kloster Komburg erhielt das Patronatsrecht über die Künzelsauer Kirche, die bis heute nach Johannes dem Täufer benannt ist  (Johanneskopf im Künzelsauer Stadtwappen) Ausbau der Machtstellung des Hauses Hohenlohe auch in Künzelsau: das mächtigste Adelsgeschlecht in der Region, das Haus Hohenlohe, erwarb Herrschaftsanteile an der Künzelsauer Burg, auch um zu verhindern, dass  Künzelsau  wirtschaftlich und politisch stärker wurde als die hohenlohische Residenzstadt Ingelfingen. Das Haus Stetten wurde Künzelsauer Ganerbe: mit dem Aussterben der Herren von Künzelsau und Bartenau ging deren Besitz in Künzelsau an die stammesverwandten Herren von Stetten über, die damit  Ganerben von Künzelsau wurden. In den folgenden Jahrzehnten bestimmten die Rivalitäten der beiden Ganerben, Stetten und Hohenlohe, maßgeblich die Geschicke von Künzelsau. Die Reichsstadt Hall wurde weiterer Ganerbe von Künzelsau. Das Erzbistum Mainz wurde weiterer Ganerbe und Verbündeter des Hauses Stetten: durch Verkauf eines Teils seines Künzelsauer Besitzes an das Erzbistum Mainz gewann Stetten einen wichtigen Verbündeten in den sich verschärfenden Auseinandersetzungen mit Hohenlohe. Eskalation der langjährigen Streitereien zwischen Hohenlohe und Stetten zur „Tierberger Fehde“ mit der Teilbesetzung der Burg Stetten durch Hohenloher Soldaten. Die schlichtende Intervention des neuen Künzelsauer Ganerben, des Mainzer Erzbischofs, der gleichzeitig auch Kurfürst und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reichs war, verhinderte Schlimmeres. Mit der Unterzeichnung des Künzelsauer Burgfriedensvertrags  (Ganerbenvertrags) auf  Initiative des Mainzer Erzbischofs einigten sich die Ganerben auf eine gemeinsame  Verwaltung für Künzelsau und einen „ewigen Frieden“ innerhalb des Burgfriedensbezirks, der durch vier Burgfriedenssteine (drei davon sind noch erhalten) auf der Künzelsauer Gemarkung abgegrenzt wurde. Diese „Verfassung von Künzelsau“ war bis zum Ende der Ganerbenzeit 1802 gültig und sicherte die friedliche Verwaltung von Künzelsau durch die Ganerben. Durch den Kauf  Stettenscher Anteile wurde das Erzbistum Würzburg  6. Ganerbe  Großbrand in Künzelsau mit Zerstörung von mehr als 90 Gebäuden, einschließlich des Rathauses, und Beschädigung der Burg. Neuerrichtung des Künzelsauer Rathauses über dem Künzbach Reformation in Künzelsau: Da die Ganerben teils katholisch blieben (Mainz und Würzburg), teils sich zum lutherischen Glauben bekannten (Hohenlohe, Stetten und Schwäbisch Hall)  gab es ein langes Hin und Her, welcher konfessionellen Richtung die Bürger zuzuordnen sein sollten. Letztlich wurde Künzelsau evangelisch. Aber auch dann gab es noch Auseinandersetzungen zwischen den evangelischen Herrschaftshäusern Hohenlohe und Stetten darüber, wer von beiden die Oberhoheit in Kirchenfragen haben sollte. Der Ganerbenort Künzelsau  genoss durch seine zahlreichen Handwerker  sowie den lebhaften Handel und die blühenden Märkte den Ruf eines „Klein-Nürnberg“. Im Dreißigjährigen Krieg blieb auch Künzelsau nicht von Plünderungen und tödlichen Übergriffen durchziehender Truppen verschont. Die Kriegslasten blieben aber relativ erträglich, weil jeweils zwei Ganerben auf Seite der evangelischen Union (Hohenlohe, Stetten) und auf Seite der katholischen Liga (Mainz, Würzburg) waren. Bei wechselnden Kriegssituationen gab es Fürsprecher zugunsten von Künzelsau aus dem jeweils anderen Lager. Baubeginn am Künzelsauer Schloss: Graf Johann Ludwig zu Hohenlohe ließ die damals bestehende Burg zu einem dreistöckigen Spätrenaissance- schloss ausbauen. Mit seinem Tod 1689 und dem Tod seiner Witwe 1691 endete die Künzelsauer Linie der Hohenlohe und das Schloss blieb danach fast zwei Jahrhunderte lang im Besitz anderer Hohenloher Linien bis es 1871 an das Königreich Württemberg verkauft wurde. Errichtung der ersten steinernen Kocherbrücke (Brückenbaumeister Peter Sommer  aus der Künzelsauer Künstlerfamilie Sommer). Triumphkreuz für die Johanneskirche in Künzelsau: das barocke Kunstwerk wurde von Johann Jacob Sommer hergestellt. Auch das barocke Orgelgehäuse von 1765 stammt aus der Werkstatt der Künzelsauer Künstlerfamilie Sommer (Johann Andreas Sommer). Die Kanzel wurde 1617 von Leonhard Kern, einem Bildhauer aus der zweiten großen Barockwerkstatt in Hohenlohe, eingebaut. Als weiteres Schmuckstück barocker Baukunst ist die Johannesapotheke in Künzelsau mit der kunstvollen Haustür aus der Sommerschen Werkstatt zu nennen. Ende des Ganerbenstatus des Hauses Stetten: Mit dem Kauf der letzten Besitzanteile der Herren von Stetten wurde das Stift Komburg erneut Ganerbe, während das Haus Stetten endgültig als Ganerbe von Künzelsau ausschied. Erste bekannte Glocke aus der Werkstatt Lösch in Morsbach: Diese Familie wirkte rund hundert Jahre im Glockengießerhandwerk und dehnte von Morsbach ihre Tätigkeit nach Crailsheim und St. Georgen bei Bayreuth aus. Sie fertigte über 100 Glocken, aber auch Feuerspritzen an. Tod von August Faust, Chronist von Künzelsau: erst nach 1900 wurde öffentlich bekannt, dass der Handwerker A. Faust eine umfassende, bedeutende Chronik über Künzelsau und die Region geschrieben hat. Unwetter in Belsenberg: nach einem Wolkenbruch auf der Steinbacher Ebene wälzten sich die Ortsbäche mit gewaltigen Wassermassen in den Ort und richteten große Schäden an. Künzelsau wurde Stadt: nach fast zwanzigjähriger Arbeit war der Bau der                                                           Stadtmauer beendet, der den bis dahin bestehenden Palisadenzaun ersetzte. Fortan wurde der bereits zuvor sehr stadtähnliche Marktflecken Künzelsau ohne jegliche urkundliche Bestätigung als Stadt bezeichnet. Ende der Ganerbenherrschaft: Künzelsau wurde hohenlohische Amtsstadt (1802 -1806). Der von Napoleon durchgesetzte “Reichsdeputationshauptabschluß“, der zum Ende des neunhundertjährigen (1.) Deutschen Reichs führte, sah auch die „Säkularisierung“, d.h. die Enteignung kirchlicher Güter zugunsten des betreffenden Landesherrn, vor. Hohenlohe, der letzte weltliche Ganerbe in Künzelsau, übernahm sämtliche Besitztümer der geistlichen Herrschaften (Komburg, Mainz, Würzburg) in Künzelsau und wurde hier Alleinherrscher.
II. Urkundlich belegte Künzelsauer Geschichte im Zeitabriss
1098
um 1100
1100-1300
1248
1390
1439
1328
1484
1488
1493
1499
1519
1522
1556
ab 1600
1618-1648
1679
1695
1704
1717
1724
1742
1748
1767-1786
1802
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